Ergebnisse des Projekts Fledermauszug im Nationalpak Unteres Odertal

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Foto: Teichfledermaus mit Funk-Sender (Jörg Horn)

Criewen – In den vergangenen Jahren konnten ehrenamtlich tätige Experten im Nationalpark Unteres Odertal einige bemerkenswerte heimische Fledermausarten registrieren und über deren Zugverhalten wichtige Informationen sammeln. Seit 2015 läuft das Projekt „Fledermauszug Deutschland“.

Der Nationalpark Unteres Odertal hat eine besondere Anziehungskraft für Rast- und Zugvögel. Aber auch heimliche kleine Säugetiere halten sich nur über einen Teil des Jahres im Nationalpark auf. Fledermausarten wie die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) ziehen im Winter ebenfalls gen Süden.

Allerdings sind die genauen Routen und auch die Dauer des Zuges noch weitgehend unbekannt. Um hier den Wissenstand zu erhöhen, wurde 2015 das Projekt „Fledermauszug Deutschland“ ins Leben gerufen. Hier arbeiten ehrenamtliche Fledermausschützer und Hobbyfunker gemeinsam an der Dokumentation der Zugwege.

Gefangen werden Tiere im Spätsommer kurz vor ihrem Abflug in das Winterquartier mit Netzen und mit speziellen Armklammern versehen, ähnlich den Bein-Ringen bei Vögeln.

Einige besonders kräftige Tiere erhalten einen 0,5 Gramm schweren Sender. Dieser sendet ein individuelles Funksignal, das zuvor über ein Netzwerk den zahlreichen Hobbyfunkern in Deutschland mitgeteilt wird.

Mit Hilfe dieses Signals und der Frequenz können die einzelnen Tiere eindeutig identifiziert werden, sobald sie sich in Reichweite eines Funkers aufhalten. Die Laufzeit der Sender ist begrenzt, daher werden die Tiere erst kurz vor Ihrem Abflug in das Winterquartier im August mit dem Sender ausgestattet. Die Nationalparkverwaltung unterstützt das Projekt durch Bereitstellung der benötigten Telemetrie-Sender und Armklammern. Um die Flugrouten genau aufzeichnen zu können, sind möglichst viele Ortungen der Hobbyfunker nötig.

Projektergebnisse
Durch das Projekt konnten bereits mehrere interessante Erkenntnisse gewonnen werden. So wurden 2015 zwei Rauhautfledermäuse mit Hilfe der Funkamateure auf ihrem Flug in die Überwinterungsgebiete begleitet.

Als erstes verließ „Netti“ am 9. September 2015 die Nationalparkregion und wurde vom Funkamateur DL4YHF nur einen Tag später am 10. September nördlich von Bielefeld geortet (Distanz 400 Kilometer).

Am gleichen Tag startete dann „Lotti“ im Nationalpark und wurde nach fünf Tagen am 15 September 2015 bei Georgsdorf an der holländischen Grenze (Distanz 490 Kilometer) von den Funkamateuren DL1BFR, DE3HTV und DE3YLV lokalisiert.

Neben der aufwendigen Telemetriemethode lieferten aber auch mit Armklammern versehene Tiere spannende Daten. Ende Juli 2016 wurden in einem Waldgebiet nördlich von Schwedt mehrere Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) markiert. Eines dieser Tiere verließ danach die Uckermark und legte bis in das Weinanbaugebiet La Motte en Provence in Südfrankreich eine Flugstrecke von 1.205 Kilometer zurück. Dort entdeckten französische Fledermausforscher den Kleinabendsegler am 26. Januar 2017 in einem Weinkeller des Weinguts.

Anhand einer weiteren Ablesung aus der Schweiz bei Widenhueb, Waldkirch (Kanton Sankt Gallen, Distanz zirka 800 Kilometer) konnte 2018 das Wanderverhalten vom Kleinabendsegler aus der Nationalparkregion abermals dokumentiert werden.

Ehrenamtliche Fledermausschützer aus Schwedt machten 2018 eine sehr interessante Entdeckung zum Zug der Tiere. Eine im Jahr 2006 in Polen nahe der Stadt Ostrowo beringte Fransenfledermaus (Myotis nattereri) wurde im letzten Herbst im Flemsdorfer Wald (Distanz 300 Kilometer) in einem Fledermauskasten entdeckt. Fransenfledermäuse sind ziemlich ortstreu. Sie entfernen sich nur selten mehr als 50 Kilometer von ihren angestammten Revieren. Daneben ist das Alter von 12 Jahren zwar kein Rekord, Fransenfledermäuse können bis zu 20 Jahre alt werden. Jedoch liegt das Durchschnittsalter bei lediglich dreieinhalb Jahren.

Foto: Rauhautfledermaus (Sebastian Hennigs)

Foto: Zweifarbenfledermaus mit Funk-Sender (Jörg Horn)

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