Quartier der seltenen Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) im Nationalpark Unteres Odertal entdeckt.

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Fledermauskundler mit Telemetrie-Antennen (J. Scharon)

Fledermauskundler mit Telemetrie-Antennen | Foto: J. Scharon

Die Fledermausfauna im Nationalpark Unteres Odertal ist dank des langjährigen Einsatzes von ortsansässigen Ehrenamtlichen gut erforscht. Am Himmelfahrtswochenende fand das 14. Teichfledermauscamp in Schwedt/Oder statt. Hobby-Fledermauskundler Jörn Horn lädt hierzu jährlich weitere Ehrenamtliche, Fachexperten, Neueinsteiger und Studenten ein, um sich vor Ort über die Lebensweise der einzelnen Arten, insbesondere der Teichfledermaus, im und am Nationalpark zu informieren. Die Nationalparkverwaltung unterstützt die Arbeiten der Ehrenamtlichen durch die Bereitstellung von speziellen Telemetrie-Sendern und Betretungsgenehmigungen.

Bei den nächtlichen Exkursionen in das Nationalparkgebiet wurden dabei zehn verschiedene Arten entdeckt, darunter auch ein Weibchen der seltenen Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Die Mopsfledermaus zählt bundesweit zu den stark gefährdeten Arten und ist nach Anhang II der FFH-Richtlinie europaweit streng geschützt. Es handelt sich um eine mittelgroße Art, mit schwarzem seidigem Fell. Beutetiere sind vor allem Kleinschmetterlinge, aber auch Zweiflügler, kleine Käfer und andere Fluginsekten.

Der Lebensraum der Mopsfledermaus sind naturnahe Wälder, mit einem hohen Anteil an stehendem Totholz. Absterbende oder durch Sturm und Blitzschlag geschädigte Bäume bieten den Tieren ein natürliches Quartierangebot. In Wirtschaftswäldern finden sich derartige Strukturen deutlich seltener, weshalb die Art hier nur in Ausnahmefällen anzutreffen ist. Im Nationalpark ist die Mopsfledermaus eine Zielart für Erhaltung und Entwicklung einer natürlichen Walddynamik. Der überwiegende Anteil der Waldflächen im Nationalpark unterliegt dem Prozessschutz in der Schutzzone I, geschwächte und absterbende Bäume werden hier nicht beräumt und es findet keine Forstwirtschaft mehr statt. Die vergangenen niederschlagsarmen Jahre, Borkenkäfer- und Pilzbefall sowie das vermehrte Auftreten von Extremwetterlagen haben auch Auswirkungen auf die Wälder im Nationalpark. Das Zulassen der natürlichen Dynamik nach dem Leitbild „Natur Natur sein lassen“ hat dazu geführt, dass sich das Quartierangebot für Fledermäuse aber auch für andere geschützte Tierarten deutlich erhöht hat.

Das gefangene Tier wurde erfolgreich mit einem winzigen Telemetriesender ausgestattet, wodurch nun zum ersten Mal eine Wochenstubengesellschaft der Mopsfledermaus im Nationalpark ausfindig gemacht werden konnte. Insgesamt wurden dabei drei Quartierbäume mit sieben Tieren entdeckt. Als Wochenstuben werden Quartiere bezeichnet, welche in der Zeit der Jungenaufzucht genutzt werden. Die Art benötigt eine hohe Dichte an Quartierbäumen, da sie während der Wochenstubenzeit fast täglich das Quartier wechselt.

Vor über 20 Jahren wurde die erste Mopsfledermaus im Winterquartier Stolper Turm, in direkter Nähe zum Nationalpark entdeckt. Der nun erbrachte Erstnachweis einer Wochenstube, und damit der Beleg für die erfolgreiche Fortpflanzung der Art, kann beispielhaft als Erfolg für die Zielstellungen des Nationalparks in der Schutzzone I gesehen werden. Welche weiteren positiven Effekte der Prozessschutz mit sich bringt, werden künftige Untersuchungen zeigen.

Quartierbaum im Nationalpark Unteres Odertal (J. Horn) Fledermauskundler mit Telemetrie-Antennen (J. Scharon) Wärmebildaufnahme der Wochenstubengesellschaft hinter abgestorbener Rinde (J. Horn)

Teilnehmer des 14. Teichfledermauscamps in Schwedt/Oder (J. Scharon) Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) (J. Horn)

Bildbeschreibung / Bildnachweis:
Bild 1: Quartierbaum im Nationalpark Unteres Odertal (J. Horn)
Bild 2: Fledermauskundler mit Telemetrie-Antennen (J. Scharon)
Bild 3: Wärmebildaufnahme der Wochenstubengesellschaft hinter abgestorbener Rinde (J. Horn)
Bild 4: Teilnehmer des 14. Teichfledermauscamps in Schwedt/Oder (J. Scharon)
Bild 5: Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) (J. Horn)

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