
Jungvögel im Frühling: Wann Hilfe nötig ist – und wann nicht
10. June 2026
Besonders: Das Untere Odertal vom Wasser aus entdecken
30. June 2026Kormorane sind sehr flexible Zugvögel, die oft über kurze Strecken ziehen. Doch je nach Temperatur- und Wetterbedingungen fliegen sie auch längere Wege. So auch ein vor 16 Jahren im Nationalpark Unteres Odertal geborenes Exemplar. Er wurde nun in Portugal gefunden und gibt damit spannende Einblicke in sein Zugverhalten.
Wie die Beringungszentrale Hiddensee mitteilte, wurde vor kurzem ein im Nationalpark Unteres Odertal beringter Kormoran (Phalacrocorax carbo) in Portugal wiederentdeckt. Der bereits im vergangenen Winter dort verendete Vogel wurde nahe dem Fluss Ceira im mittleren Teil des Landes aufgefunden. Seine Herkunft konnte über einen Fuß-Ring mit der Kennung DEH UA 76 bestimmt werden.
Im Nationalpark geboren und beringt
Im Jahr 2010 wurde er als einer von vier Nestjungen in einer Brutkolonie im Nationalpark durch Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg beringt. Der Vogel erreichte damit ein Alter von fast 16 Jahren in freier Natur. Auch wenn es sich bei dem Fund um den bisher ältesten beringten Kormoran aus dem Unteren Odertal handelt, können Kormorane auch über 20 Jahre alt werden. Über diesen Kormoran geben drei Ablesung eines zusätzlich angelegten farbigen Kennringes Informationen über seinen bisherigen Aufenthalt.
Vom Unteren Odertal nach Portugal
Danach hielt er sich Ende September 2012 in Schleswig-Holstein auf, überwinterte aber nicht an der Nord- oder Ostseeküste, sondern zog überraschend weiter nach Portugal, wo er 22 km von seinem letzten Fundort entfernt, Ende November abgelesen werden konnte. Im Februar 2015 wurde sein Farbring erneut abgelesen – nur 5 km vom vorherigen Beobachtungsort entfernt. Nunmehr 11 Jahre später gelang sein letzter Nachweis in derselben Region. Diese drei Nachweise kennzeichnen das Beobachtungsgebiet als Überwinterungsgebiet des Vogels. Leider gelangen aus dem wahrscheinlich in Deutschland oder Westpolen liegenden Brutgebiet des Vogels kein Nachweis.
Die Entwicklung des Kormorans im Unteren Odertal
Zwischen den Jahren 2001 und 2018 wurden 1.319 Kormorane im Nationalpark im Rahmen eines Beringungsprogramms der Beringungszentrale Hiddensee beringt. Seitdem liegen 547 Ringablesungen von 147 lebenden Vögeln sowie 76 Totfunde vor. Mehrfach konnte eine ausgeprägte Ortstreue für Überwinterungsgebiete belegt werden, sowohl bei ziehenden als auch bei den in der Geburtsregion überwinternden Vögeln. Geschwister verließen bspw. getrennt die Heimatkolonie, da sie nie zeitgleich und überhaupt nur ausnahmsweise in denselben Rastgebieten beobachtet werden konnten. So lagen auch die Überwinterungsgebiete oft weit voneinander entfernt.
Die breite Streuung der Vögel dürfte Teil der Überlebensstrategie der Art sein, sie verteilt und minimiert dadurch Risiken des Todes durch strenge Winter oder Vergrämungsabschüsse. Einige Vögel konnten später als Brutvogel in der Geburtskolonie, andere aber auch in Kolonien in Mecklenburg-Vorpommern und Westpolen abgelesen werden. Programme zur wissenschaftlichen Vogelberingung liefern daher immer wieder spannende Daten zur Biologie und Ökologie der heimischen Vogelwelt.
Der Fischjäger ist ein typischer Vogel großer bis mittlerer Flüsse und Auenlandschaften, wie sie im Unteren Odertal zu finden sind. Im Nationalpark gab es, nach Ansiedlungsversuchen 1979 und von 1986 bis 1988 ab 1992 Brutkolonien, zum Teil auch mit über 1.000 Brutpaaren. Nachdem 2011 Waschbären erstmals zu empfindlichen Brutverlusten beitrugen, sank trotz zunehmender Umsiedlungen der Brutbestand durch abnehmenden Bruterfolg und reduzierter Nachwuchsrate. Die letzte erfolgreiche Brut wurde im Jahr 2024 festgestellt. Der Bestand des Kormorans in Brandenburg erreichte Anfang der 2000er Jahre seinen Höhenpunkt mit ca. 2.800 Brutpaaren. Ab 2011 war er landesweit deutlich rückläufig, zeigt sich seit 2018 aber stabil zwischen ca. 850 und 1.200 Brutpaaren.
