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21. September 2026Nationalpark Unteres Odertal verzeichnet außergewöhnlich niedrige Wasserstände – Folgen für Gewässer, Arten und Landwirtschaft
Wasser ist der bestimmende Faktor einer Flussaue. Im Nationalpark Unteres Odertal zeigt sich derzeit aber ein ungewohntes Bild: Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark leidet unter ausgeprägtem Wassermangel. Seit Beginn des Sommers sind die Wasserstände niedriger als sonst üblich. Zahlreiche Gräben, Altarme und stehende Gewässer in der Aue sind inzwischen trockengefallen.
Ende August lag der Wasserstand im Polder B am Schöpfwerk Schwedt bei 514 Zentimetern, umgerechnet 19 Zentimeter über Normalnull. Der Oderpegel bei Stützkow zeigt aktuell 532 Zentimeter. Beide Werte liegen deutlich unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserstand. Auch für die kommenden Tage werden weiterhin niedrige Wasserstände prognostiziert. Die Daten stammen aus dem Pegelportal des Landesamtes für Umwelt Brandenburg.
Ursachen sind vor allem die geringen Niederschlagsmengen und die hohe Verdunstung infolge der hohen Temperaturen. Dadurch sinken auch die Grundwasserstände. Auf den Auenflächen des Nationalparks liegen sie derzeit teilweise zwei Meter und mehr unterhalb der Bodenoberfläche.
Die Folgen sind in der Landschaft deutlich sichtbar: Wo sonst Wasser steht, liegen trockene Böden, Gewässer fallen trocken. Besonders betroffen sind an Wasser gebundene Arten wie Amphibien und Fische, die auf geeignete Gewässer als Lebens- und Fortpflanzungsräume angewiesen sind. Die verbliebenen Gewässer sind wichtige Rückzugsräume für Tiere und sollten nicht gestört werden.
Auch die Landwirtschaft spürt die Folgen: Das Tränkwasser für Weidetiere muss teilweise mit hohem Aufwand in die Aue transportiert werden.
Dirk Treichel, Leiter des Nationalparks: „Eine Aue ohne Wasser – das klingt zunächst wie ein schlechter Witz. Tatsächlich zeigen sich jetzt auf dramatische Weise selbst in unserer Auenlandschaft die massiven Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels und der jahrzehntelangen gezielten Entwässerung unserer Landschaft. Niedrige Wasserstände gehören zwar grundsätzlich zur natürlichen Dynamik einer Flussaue, problematisch wird es aber, wenn Trockenheit und hohe Temperaturen über einen so langen Zeitraum zusammenkommen.“
Auch wenn die aktuellen Wasserstände sehr stark durch die Witterung der vergangenen Monate bestimmt wird, ist es wichtig, langfristige Strategien für den Rückhalt von Wasser in der Aue zu entwickeln und in die Realität umzusetzen: Abflüsse aus der Aue müssen verlangsamt und reduziert werden, das Wasserrückhaltevermögen der Auenlandschaft gestärkt werden. Dies setzt die Nationalparkverwaltung in Abstimmung mit Akteuren im Gebiet zum Beispiel in Form von Rückstaumaßnahmen, wie am Roten Kolk, Eichwerder Dammgraben und Lubitzgraben, durch die Reduzierung des Schöpfwerksbetriebs mit Einstellung höherer Ausschaltpeile, wie im Lunow-Stolper Polder sowie durch Altarmanbindungen, wie aktuell am Welsensee, um.
Zudem ist ein sparsamer Umgang mit Wasser in allen Bereichen wichtig. Hier kann jeder und jede Einzelne einen Beitrag leisten.
Wie sich die Situation weiterentwickelt, hängt wesentlich von den kommenden Niederschlägen und Temperaturen ab. Fest steht schon jetzt: Der diesjährige Sommer macht deutlich sichtbar, wie fatal ein akuter Wassermangel für die Auenlandschaft des Nationalparks Unteres Odertal ist.
