Rotmilan – heimlicher Wappenvogel Deutschlands

Weidenkätzchen im Nationalpark Unteres Odertal - Foto: Milena Kreiling
Versteckte Pracht
15. April 2021
Der Jakobsweg führt durch den Nationalpark Unteres Odertal
Pilgern in Brandenburg: Jakobsweg führt nun auch durch den Nationalpark Unteres Odertal
26. April 2021
Rotmilan | Foto: Andreas Werbel

Rotmilan | Foto: Andreas Werbel

Sie haben die gefährliche Reise überstanden und sind aus ihren Winterquartieren in Süd-West-Europa zurückgekehrt, die Rotmilane. Geschickt und stolz gleiten sie nun wieder über das Untere Odertal. Mehr als die Hälfte des Weltbestandes dieser Greifvögel brüten in Deutschland. Das ist mehr als bei jeder anderen Vogelart!

Mit 140 bis 165 cm Flügelspannweite gehören Rotmilane nach den Adlern zu den größten heimischen Greifvögeln. Sie besitzen ein rotbraunes Gefieder, das am Kopf ins Graue übergeht, sowie jeweils ein großes weißes Feld an der Flügelunterseite. Am besten zu erkennen sind Rotmilane an dem tief gegabelten Schwanz, welcher ihnen den volkstümlichen Namen „Gabelweihe“ eingebracht hat. Weibchen und Männchen lassen sich äußerlich nicht unterscheiden.

Strukturreiche Offenlandschaften mit einem Mosaik aus Feldern, Wäldern, Siedlungen und Gewässern sind seine bevorzugten Brutgebiete. Große geschlossene Wälder meidet er. So errichten die bei uns brütenden Rotmilane ihre losen und oftmals auch mit Plastik und Stoff geschmückten Nester in Baumwipfeln entlang der uckermärkischen Waldränder.

Auch wenn über 50 Prozent der Rotmilane in Deutschland brüten, sind die Bestände dieser Greifvogelart in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Ein entscheidender Faktor hierfür ist das Nahrungsangebot. Früher war der Feldhamster die Hauptbeute des Rotmilans. Heute ist dieser überall selten geworden oder ausgestorben. Zwar ist der Rotmilan auf andere Nahrungsquellen, wie Mäuse, kleinere Vögel, Würmer, Aas, Abfall und Fisch ausgewichen, doch gerade bei der Jungenaufzucht im Frühjahr ist das Nahrungsangebot knapp und Störungen am Nest wirken sich empfindlich aus.

Durch die Zunahme an hoch und schnell wachsenden Ackerpflanzen ist die Beute für den Rotmilan oft unerreichbar. Raps und Mais, die als „grüne“ Energiepflanzen angebaut werden, zwingen den Greifvogel zur Nahrungssuche auf Freiflächen, z.B. unter Windrädern, die jedoch eine tödliche Gefahr darstellen.

Im Nationalpark Unteres Odertal findet der Rotmilan ein Musterbeispiel an benötigter Vielfältigkeit. Er profitiert nicht nur von fischreichen Gewässern und geeigneten Nistbäumen, sondern auch in besonderem Maße von den über das Jahr gestaffelten Mahd-Terminen der Wiesen. Diese dienen dem Schutz der Nester seltener, bodenbrütender Vögel, bieten jedoch auch dem Rotmilan Jagdreviere und Nationalparkbesuchern die Möglichkeit, ihn beim Beutegreifen zu beobachten. Fernglas nicht vergessen!

Rotmilan  |  Foto: Olaf Rochlitz

Rotmilan | Foto: Olaf Rochlitz

X