Erste Ergebnisse zum Fledermauszug in Deutschland liegen vor

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Fledermausszug in Deutschland

Nicht nur einige Vögel legen eine weite Strecke zwischen den Winter- und Sommerlebensräumen zurück, nein auch einige Fledermausarten. Anders als bei den Zugvögeln ist der genaue Zugverlauf der Fledermäuse weitestgehend unbekannt. Dass Fledermäuse weite Strecken zurücklegen, zeigen wissenschaftliche Fledermausmarkierungen mit Unterarmklammern. Gegenwertig sind Wanderungen über sehr weite Entfernungen vom Großen Abendsegler (Nyctalus noctula) bis 1.546 km, vom Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) bis 1.567 km, von der Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) bis 1.780 km und der Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) bis 1.905 km bekannt. Die letztgenannte Fledermausart stand im Nationalpark Unteres Odertal im August/September 2015 besonders im Fokus.Im Rahmen des Projektes „Monitoring Fledermauszug in Deutschland“ (www.fledermauszug-deutschland.de) wurden im Nationalpark Unteres Odertal vier weibliche Rauhautfledermäuse „Betti“, „Kalli“, „Netti“ und „Lotti“ kurz vor ihrer Abwanderung (Ende August/Anfang September) in die Überwinterungsgebiete nach West-/Südwesteuropa mit einem UKW Sender 150 MHz (Radiomarkierung) ausgestattet. Für die Besenderung kamen nur Weibchen in Betracht, die ein Mindestgewicht von 12 g aufwiesen.

Mit Hilfe der Funkamateure sollten die Wanderwege der Rauhautfledermaus über Deutschland aufgezeigt werden, denn spezielle Aussagen zum Zugverhalten und Nachweise vernetzter Vorkommen zwischen Sommerhabitaten und Überwinterungsgebieten sind für den Schutz wandernden Fledermausarten von hoher Bedeutung. Migrierende Fledermäuse sind auf intakte Sommer- und Winterquartiere, überregionale Nahrungsgebiete und Tagesquartiere als Trittsteine während des Zuges angewiesen.

Und tatsächlich gelang es zwei der vier besenderten Rauhautfledermäuse mit Hilfe der Funkamateure auf ihren Flug in die Überwinterungsgebiete zu orten. Als der Wind von Südwest auf Nordost/Ost drehte verließen die besenderten Tiere fast zeitgleich den Nationalpark. Als erstes verließ „Netti“ am 09.09.2016 das Gebiet und wurde vom Funkamateur DL4YHF am 10.09.2015 nördlich von Bielefeld geortet. Einen Tag später, am 10.09.2015, startete „Lotti“ und wurde am 15.09.2015 bei Georgsdorf an der holländischen Grenze von den Funkamateuren DL1BFR, DE3HTV und DE3YLV lokalisiert.

„Betti“ hat vermutlich den Sender frühzeitig verloren und „Kalli“ hat wie „Lotti“ das Gebiet am 10.09.2015 verlassen. Seitdem fehlt jedoch jede Spur vom Verbleib der Fledermäuse.

Die Telemetrie zeigte, dass Rauhautfledermäuse bei guter Ernährung und bei günstigen Wetterverhältnissen kurzzeitig weite Strecken zurücklegen. Hierbei ist es möglich, dass Deutschland in einem Zug von Ost nach West überflogen werden könnte. Finden die Tiere nicht geeignete Flugverhältnisse vor, verbleiben sie im Gebiet bzw. unterbrechen ihren Flug, um sich Fettreserven anzufressen. Beide Tiere aus dem Nationalparkgebiet, wählten ähnliche Flugrouten Richtung Niederlande.

Für die erfolgreiche Ortung der Fledermäuse erhielten die Funkamateure ein Fledermausdiplom.
Das erste Zusammentreffen der Fledermausschützer mit den Funkamateuren war ein großer Erfolg und wird 2016 weiter ausgebaut. Die Freude ist groß, wenn weitere Funkamateure aus der Region und darüber hinaus mit lauschen würden.

Hinweise finden Sie unter: www.fledermauszug-deutschland.de

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