Beobachtungstürme ermöglichen ungestörte Naturerlebnisse

Seit den 1990er Jahren ermöglichen zwei Beobachtungstürme und eine Beobachtungshütte die ungestörte Beobachtung der Vogelwelt im Unteren Odertal.

Bereits in den 1990er Jahren begann der Nationalpark Unteres Odertal mit dem Aufbau der touristischen Infrastruktur des Schutzgebietes. Damals entstanden zwei Beobachtungstürme und eine Beobachtungshütte, die die den Besuchern des nördlichen Nationalparks ungestörte Naturbeobachtungen von einem erhöhten Standort ermöglichen sollten.

Turm Gartz

Ein Turm wurde unmittelbar am südlichen Rand der Stadt Gartz (Oder) direkt am Oder-Neiße Radweg errichtet. Von hier sollten vor allem die Bewegungen der Kraniche für die Besucher erlebbar gemacht werden, die den Nationalpark im Herbst für mehrere Wochen als Rastplatz auf ihrem Zug nach Süden nutzen. Die Kraniche finden auf den seit 70 Jahren ungenutzten Flächen des polnischen Zwischenoderlandes zwischen der West- und der Ostoder ungestörte Schlafplätze. Ihre Nahrung suchen sie tagsüber auf den abgeernteten Feldern rund um die Stadt Gartz (Oder). In den Morgen- und Abendstunden können die Besucher sie bei ihrem Kranichzug zwischen den Schlaf- und Fressplätzen beobachten. Der Nationalpark Unteres Odertal veranstaltet jährlich im September eine Kranichwoche. Hundert Touristen verfolgen dann vom Oderdeich aus mit Ferngläsern das Naturspektakel des Kranichzugs.

Turm am Wrechsee

Ein weiterer Turm wurde am Oderdeich in der Nähe der Schwedter Querfahrt errichtet, am Wrechsee. Vom Turm aus und von einer in der Nähe befindlichen Anhöhe können die Touristen eine Trauerseeschwalbenkolonie beobachten, die als die größte Kolonie dieses Vogels in Brandenburg gilt. Trauerseeschwalben sind äußerst selten und gelten in Westeuropa als eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Im Nationalpark Unteres Odertal findet die Trauerseeschwalbe noch geeignete Brutplätze. Um die Population zu erhalten, hatten ehrenamtliche Naturschützer schon in den 1980er Jahren damit begonnen, künstliche Nisthilfen auszubringen. Im Jahr 2003 startete der Naturschutzbund Deutschland (NABU), Regionalverband Schwedt, ein zweites Hilfsprogramm, in dessen Laufzeit sich die Zahl der Brutpaare von 43 auf 127 erhöhte. 2013 zählten die Ornithologen hier 195 Brutpaare. Deutschlandweit werden gegenwärtig ca. 900 Brutpaare gezählt.

Beobachtungshütte „Seeschwalbe“

Die Beobachtungshütte „Seeschwalbe“ befindet sich ca. 1,5 Kilometer südlich der Gatower Brücke auf dem Winterdeich an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und ermöglicht Natur- und Vogelbeobachtungen im Polder 10. Als sie 2006 errichtet wurde, war der Polder im Sommer noch trocken und wurde landwirtschaftlich genutzt. Mittlerweile ist das Gebiet nördlich der Stadt Schwedt eine Wildniszone, das Wasser der Oder kann ungehindert hinein- und hinausfließen. Bei Hochwasser genießen die Besucher hier einen besonders schönen Blick über die überflutete Polderlandschaft. Zudem ist dieses Wildnisgebiet ein regelmäßiger Brutplatz seltener und gefährdeter Vogelarten wie Weißflügel-, Weißbart- und Trauerseeschwalben. Ganzjährig können die Touristen hier verschiedene Enten- und Rallenarten beobachten.

Die Beobachtungshütte ist barrierefrei und auch für Rollstuhlfahrer gut zu erreichen. Als besondere Attraktion gilt ein Teleskop-Fernrohr.

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