Odertal mit weißrussischem Urwald und mosambikanischer Savanne verbunden

Die Kooperationen mit den Nationalparks in Weißrussland und Mosambik offenbaren bei allen Unterschieden erstaunliche Gemeinsamkeiten.

Neben seinen langjährigen und intensiven Kontakten zu den Landschaftsschutzparks auf der polnischen Seite des Odertals pflegt der Nationalpark Unteres Odertal Partnerschaften zum weißrussischen Nationalpark  Beloveshkaya Pushcha (Bialowiezer Heide) und zum 1972 gegründeten Banhine-Nationalpark in Mosambik. Die Beloveshkaya Pushcha erstreckt sich im Grenzland zwischen Polen und Weißrussland, wobei der weißrussische Teil mit ca. 120000 Hektar Fläche im Vergleich zu seinem polnischen Nachbarn mit einer Fläche von ca. 10.500 Hektar der weitaus größere ist. Die  Beloveshkaya Pushcha gilt als der letzte Tiefland-Urwald Europas.

Die Kernzone dieses Nationalparks erstreckt sich auf einer Fläche von über 150 Quadratkilometern. Im Vergleich dazu ist die Kernzone im Nationalpark Unteres Odertal mit einer Fläche von 50 Quadratkilometern klein. Dennoch haben die Naturschützer und Nationalparkmitarbeiter bei ihren wechselseitigen Exkursionen eine Reihe von Gemeinsamkeiten ausgemacht.  In beiden Gebieten gibt es seltene Erlen-Eschenwälder und besonders geschützte Vogelarten wie den im Seggenried lebenden Seggenrohrsänger, von dem es im Odertal die letzten Nachweise in Deutschland gibt – leider aber nur noch sporadisch. Auch die Rohrdommel lebt sowohl in den Schilfgebieten des Nationalparks Unteres Odertals als auch in der Beloveshkaya Pushcha . Zudem erleben die Nationalparke eine vergleichbare politisch-administrative Situation als grenzüberschreitende Schutzgebiete: Bis zum Jahr 2004 kooperierte der Nationalpark Unteres Odertal mit polnischen Partnern, die außerhalb der EU agierten. Eine ähnliche Situation gibt es jetzt zwischen der polnischen und der belorussischen Seite der  Beloveshkaya Pushcha. Hier können die Kooperationspartner von ähnlichen Erfahrungswerten lernen.

Ungleich größer als das Untere Odertal ist der mosambikanische Banhine-Nationalpark, mit dem es seit 2014 eine intensive Partnerschaft gibt. Das Schutzgebiet in der mosambikanischen Provinz Gaza ist mit einer Fläche von 7.000 Quadratkilometern etwa siebzigmal so groß wie der Nationalpark Unteres Odertal. Dort gibt es neben Savannengebieten ausgedehnte Mopanewälder an den Rändern des Parks und eine Savannenlandschaft, die in der Regenzeit zu weiten Teilen unter Wasser steht und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bietet. Zu ihnen gehören unter anderem große Straußenherden, Impalas, Stachelschweine, Warzenschweine und Kudus. Aber auch Großsäuger wie Elefanten kommenim Banhine-Nationalpark noch in geringer Dichte vor. Vereinzelt gibt es Löwen,Geparden und Wildhunde. Im Wasser leben hier 18 Fischarten, zu denen der afrikanische Lungenfisch gehört. Dieser hat eine besondere Strategie zum Überleben in Trockenzeiten entwickelt. Bevor diese anbricht, vergräbt sich der afrikanische Lungenfisch: Er gräbt mit seinem Körper einen senkrechten Gang in die tiefen Schlammschichten der Feuchtgebiete. Wenn der Wasserstand fällt, scheidet er in seiner Höhle große Mengen von Schleim aus, der zu einem dünnen Kokon trocknet und den Fisch vor dem Austrocknen schützt. So kann er mehrere Monate überleben. In dieser Zeit ernährt er sich von den Muskelpartien seines Schwanzes, in denen viel Eiweiß eingelagert ist.  In der Regenzeit gleicht der Banhine-Nationalpark mit seinen Überflutungsflächen dem Nationalpark Unteres Odertal. Eine weitere Gemeinsamkeit: Zugvogelarten aus dem Unteren Odertal wie Rauchschwalben oder Weißstörche überwintern im Banhine-Nationalpark.

Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Der Banhine-Nationalpark ist im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Nationalparks in Europa vergleichsweise unbekannt. Eine touristische Nutzung findet bislang nicht statt. Die im Nationalparkgebiet lebende Bevölkerung ist sehr arm, ihre Lebensweise ist archaisch. Da in den letzten Jahren die Regenzeiten weitgehend ausfielen, leidet das Gebiet gegenwärtig unter einer furchtbaren Dürre, die Lebensmittel werden knapp, die Bevölkerung ist auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Der Nationalpark Unteres Odertal startete eine umfassende Hilfsaktion für den Banhine-Nationalpark und initiierte ein Volunteer-Tourismus-Projekt für die Region in der mosambikanischen Provinz Gaza. Im Jahr 2015 spendeten Schüler der Freien Schule Angermünde Schulbänke und -tische für die im Banhine-Nationalpark lebenden Kinder. Deutsche Studenten haben wissenschaftliche Arbeiten über den Banhine-Nationalpark geschrieben. Im April 2016 fuhr ein erstes Freiwilligen-Team in den Banhine-Nationalpark, verteilte dort Lebensmittel, leistete medizinische Hilfe und unterstützte die Ranger bei Maßnahmen gegen die Wilderei, die ein großes Problem für den Banhine-Nationalpark darstellt.  Ein zweites Team reiste im November 2016 nach Mosambik und brachte weitere Lebensmittelspenden in den Banhine-Nationalpark. Nicht zuletzt sollen diese Lebensmittelspenden dazu beitragen, die Wilderei einzudämmen. Denn neben Wilderern, die von auswärts in das Schutzgebiet eindringen, um Tiere für den weiteren Verkauf zu schießen, wildern vor allem die Bewohner des Nationalparks selbst, um ihre Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern. Künftig sollen jährlich zwei Reisen von deutschen Helfern in das Schutzgebiet stattfinden. Untergebracht werden sie im einzigen Camp des Banhine-Nationalparks, das sich gleich neben der Nationalparkverwaltung inmitten des Schutzgebietes befindet. Die Anreise von Maputo dauert etwa einen Tag. Ein Drittel der Wegstrecke führt durch schwer zugängliches Gelände und ist nur mit geländetauglichen Fahrzeugen zu bewältigen.

Ziel der Unterstützung ist unter anderem, eine touristische Infrastruktur im Banhine-Nationalpark aufzubauen, um dem Schutzgebiet Einnahmen zu sichern, die sowohl dem Park als auch der lokalen Bevölkerung zu Gute kommen. Damit soll zum einen die Akzeptanz für den Banhine-Nationalpark bei den Bewohnern der Dörfer in der Region erhöht werden. Zum anderen können aus den touristischen Erlösen Maßnahmen für den Naturschutz refinanziert werden. Der Banhine-Nationalpark befindet sich unweit des weitaus bekannteren Limpopo-Nationalparks, der an den südafrikanischen Krüger-Nationalpark angrenzt, der mit einer Fläche von 20 000 Quadratkilometern zu den größten und meistbesuchten Nationalparks in Afrika zählt. Dieser verfügt mit 13 großen Camps über eine hervorragend ausgebaute touristische Infrastruktur und gilt als Vorbild für einen wirtschaftlich prosperierenden Nationalpark.

Die Partnerschaft mit dem Banhine-Nationalpark ist auch für die Gäste des Besucher-Zentrums im Nationalpark Unteres Odertal im uckermärkischen Criewen erlebbar. Dort befindet sich eine kleine Ausstellung, die über die Kooperation und ihre Inhalte informiert. Der Förderverein Nationalpark Unteres Odertal hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Menschen im Banhine-Nationalpark dauerhaft zu unterstützen. Spenden können unter dem Stichwort Banhine auf das Konto des Fördervereins Nationalpark Unteres Odertal, IBAN: DE23 1705 2302 0130 0101 62

BIC: WELADED1UMX eingezahlt werden.

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