Hochwasserereignisse im Unteren Odertal
aus
der Zeitschrift (ADEBAR Herbst 1997)
Aus
dem Jahr 1709 stammt die erste schriftliche Nachricht von einem
Hochwasser an der unteren Oder.
1736 kommt es zu einer der größten Hochwasserkatastrophe.
Der Sommer war ungewöhnlich regenreich. Es soll damals 73 Tage hintereinander
geregnet haben. Es kam südlich vom unteren Odertal nach Deichbrüchen zur
Überflutung des Oderbruchs. Ein alter, heute nicht mehr sichtbarer Mauerstein
in 60 cm Höhe vom Erdreich am Zützener Gutshaus trägt
folgende Inschrift “Höhe des Wasßers anno 1736 im Monath Juny.” Auch die Kirchentür
in Criewen trug auf dieses Hochwasser bezugnehmende
Inschrift. Danach muss das Wasser in der Kirche 50 cm hoch gestanden haben. Die
hölzerne Pfahlbrücke in Schwedt wurde damals zerstört.
1770 soll ebenfalls ein Unglücksjahr gewesen sein. Ein
Zeitgenosse berichtet: “Wir müssen nunmehr alle umkommen. Weil die Oder uns
alles Eis hereinschlägt und man nirgends zu Kahn
fortkommen kann...., ich weiß nicht mehr zu raten und
will in Gottesnamen gerne sterben und versaufen, .... " Das Wasser soll
nur langsam zurückgegangen sein, so dass im Sommer Not war.
1829 ist von einem wasserreichen Frühjahr mit einem
Hochwasser die Rede.
1830 im Frühjahr zerstörte Eisgang den Kräniger
Damm, durch im Jahresverlauf auftretenden hohen Wasserstand ging die ganze
Heuernte verloren und es entstand dadurch allgemein ein großer Futtermangel.
1844 wird von einem hohen Wasserstand berichtet.
1845 betrug im April der Wasserstand 13,5 Fuß (4,11 m) und
ein gewaltiger Sturm beschädigte Dämme, Brücken, Häuser und Saaten.
Die
fehlenden Eindeichungen der Wiesenflächen in der Oderniederung führten in der
zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in fünf Jahren zu sommerlichen
Hochwassern. Die Jahre 1852-1855 brachte allesamt Hochwasser.
1853 brachten große Überschwemmungen Verluste von ca.
20.000 Reichstalern. Der mit dem Hochwasser in Verbindung gebrachte Ausbruch
der Cholera forderte 21 Todesopfer.
1854 vernichtete ein dreimaliger hoher Wasserstand Wiesen
und Saatfelder
1855 das größte Hochwasser seit Menschengedenken bei einem
Wasserstand von 15 Fuß (4,57 m) umflutete die Stadt Schwedt und verursachte
große Schäden.
1879 war der Winter lang und dauerte bis Ende Mai. Ende
Juni standen noch alle Wiesen unter Wasser.
1888, also vor der Errichtung der Winterdeiche, nach
strengem Winter mit starkem Eisgang wurde die Greifenhagener
Oderbrücke zerstört. Es kam im Frühjahr zu großen Überschwemmungen, so dass in
Schwedt im Bereich der Berliner Straße mit Handkähnen gefahren werden konnte.
Die Dammbrücken wurden sehr beschädigt und die Kräniger
Brücke vollständig weggerissen. Dieses höchste verzeichnete Hochwasser ist
später Berechnungsgrundlage für die zu errichtenden Winterdeiche.
1926 während der letzten Bauphase am Poldersystem setzt ein
Sommerhochwasser die Schwedter Polder gänzlich unter
Wasser und vernichtet die gesamte Ernte. Das Wasser durchbrach am 22. Juni den
Sommerdeich im Polder A auf 250 m Länge. Ein ähnlicher Deichbruch wurde wenige
Tage später im Polder B registriert. Ungefähr 8000 Morgen bester Wiese wurden
vollkommen überschwemmt.
Im
November 1930 war der Deich Stützkow-Schwedt
ernstlich gefährdet. Seine Krone lag stellenweise nur 30 cm über dem
Wasserspiegel und wurde von größeren Wellen überspült.
1940 kommt es zu einem großen Frühjahrshochwasser. Im März
werden am Kräniger Pegel 7,87 m gemessen. Im Verlauf dieses Hochwassers kam es zur
Zerstörung des Criewener Wehres im Polder A. Noch
heute kann man die Reste am Crieort entdecken.
Im
Februar 1942 war die Oder derart zugefroren, dass man das Eis sprengen
musste. Die Dörfer wurden während der Sprengung geräumt.
Im
Verlauf des Krieges wurde das Schöpfwerk
Nipperwiese im Polder B am Wrech
im Oderdeich zerstört. Es befand sich dort, wo heute eine Kahnschleuse das
Wasser reguliert.
1965 kam es im Juni zu einer Sommerhochwassersituation. Am
12. Juni wurde am Schwedter Schleusenpegel ein
Wasserstand von 7,63 m in der Schwedter Querfahrt
gemessen.
1966 gibt das Winterhochwasser Anlass zu einem Deichsanierungsprogramm
an der unteren Oder, welches bis in die 80er Jahre realisiert wird.
1977 kam es zu
einem Sommerhochwasser. Bedingt
durch anhaltende Regenfälle führte die Oder Anfang August so viel Wasser, dass
am 13. August die Polder zwischen Stützkow und
Schwedt geflutet werden mussten.
1981 gab es ein Sommerhochwasser. Starke Niederschläge
führten in den Zuflüssen der Oder zum erheblichen Ansteigen der Pegelstände bei
Stützkow (über 9 m), so dass am 30. Juli die Polder
geflutet wurden.
1982 kam es zu einem "Jahrhundert"
Winterhochwasser mit starkem Eisgang. Innerhalb von 48 Stunden verursachte der
reißende Strom 14 Dammbrüchen in den Sommerdeichen auf einer Länge von 700 m.
Im Bereich des Parkes Heinrichslust kam es durch
Rückstau der Welse zu einer Hochwassergefahr für Schwedt, die durch einen
zusätzlichen Deichbau parallel zur Straße Richtung Papierfabrik abgewendet
werden konnte. Eisbrecher bewältigten Ende Januar den Aufbruch der Eisdecke.
Das Einlassbauwerk im Oderdeich Höhe Stützkow wurde
zerstört. Ein neues Einlassbauwerk konnte im Juli 1991 eingeweiht werden.
1985 lagen die Pegel im Sommer bei einem Höchststand von
9,50 m und das Wasser stand bis an die Deichkronen. Die Polder wurden jedoch
nicht geflutet. Das Hochwasser blieb so für viele unbemerkt.
1994 mussten aufgrund des hohen Wasserstandes die Bauwerke
bis in die zweite Maihälfte geöffnet bleiben. In der ergrünten Oderaue stand
erstmals nach einem Jahrzehnt das Wasser bis in den Spätfrühling in den
Oderwiesen.
1996 mussten nach Schließen der Bauwerke im April diese am
25. Mai bei einem Pegel von 8,05 m wieder geöffnet werden. Das Wasser
überflutete die Polder A/B und stand bis Ende Juni in den Wiesen.
Nationalparkverwaltung