Durch die Waldwildnis und über luftige Höhenzüge

Der „Wilde Waldweg“ lädt zu einer sieben Kilometer langen Wanderung ein und macht die Quelllandschaft südlich von Criewen und die Densenberge erlebbar.

Der „Wilde Waldweg“ trägt seinen Namen zu Recht. Er beginnt im Criewener Lenné-Park und windet sich entlang umgestürzter Bäume in das Waldwildnisgebiet südlich von Criewen. Er führt über den Quellerlebnispfad, der sich als 135 Meter langer Holzbohlenweg trockenen Fußes durch einen Eschenwald windet. Dieser Mikrokosmos gehört zu den faszinierendsten Biotopen des Unteren Odertals. Die Besucher können die Quelle untersuchen, mit einem Sieb Sediment entnehmen und mit etwas Glück einen Alpenstrudelwurm entdecken – eine Plattwurmart, die hier seit der jüngsten Eiszeit heimisch ist.

Abseits des Wanderweges greift der Mensch hier nicht mehr in die Natur ein. Der Wald gehört zu den Wildniszonen des Nationalparks und bleibt ganz der natürlichen Entwicklung überlassen. Das Totholz abgestorbener Bäume bringt hier sprichwörtlich neues Leben in den Wald. Totholz wird durch eine Vielzahl von Organismen genutzt, die sich an diesen Lebensraum angepasst haben. Je nach Holzart und Stand des Verfallsprozesses sind etwa 600 Großpilzarten und über 1.300 Käferarten an der vollständigen Zersetzung eines Holzkörpers beteiligt.

Der Wald zeichnet sich durch unterschiedlichste Standortbedingungen aus. Mit seinen kuppigen Höhen, feuchten Schmelzwasserrinnen und Senken schafft er ganz unterschiedliche Lebensräume. Im Frühjahr können die Besucher in den tiefer gelegenen Bereichen gelbe Windröschen, Scharbockskraut, Sumpfdotterblumen und Einbeeren erleben. Hier wird der Wald von Erlen, Eschen und Ulmen dominiert. Ein ganz anderes Bild bietet sich auf den Höhenlagen, über die der Weg führt. Dort hat sich ein trockener und artenreicher Mischwald herausgebildet, der von der Rotbuche dominiert wird. Auf dem Boden finden sich kleinblütiges Springkraut, Wald-Sauerklee und Waldveilchen. Zu den Tieren, die hier leben, gehören verschiedene Spechtarten, wie der Klein-, Schwarz-, Bunt- und Grünspecht. Besonders beeindruckend ist es, den Schwarzspecht zu beobachten, der mit einer Länge von bis zu 50 Zentimetern der größte Specht in Mitteleuropa ist. Auch er findet in dieser Wildnis hervorragende Lebensbedingungen. Schwarzspechte hämmern ihre Brut- und Schlafhöhlen in die starken Stämme trockener oder toter Bäume.  Anzutreffen sind darüber hinaus der Pirol und der Gartenbaumläufer. Auch der Schwarz- und Rotmilan brüten in diesem Wald. Wildschwein, Reh- und Damwild sowie Dachs, Fuchs und Marderhund sind hier ebenfalls heimisch.

Der „Wilde Waldweg“, der zunächst streckengleich mit dem „Weg der Auenblicke“ verläuft, führt durch die Densenberge, deren runde Hügel am höchsten Punkt 30 Meter über den Meeresspiegel herausragen. Sie sind ein typisches Grundmoränengebiet, das die jüngste Eiszeit, die Weichseleiszeit vor über 15.000 Jahren geformt hatte. Der Gletscherrand, der hier in der pommerschen Phase lag, stauchte die Landschaft mit seiner gewaltigen Kraft regelrecht auf und formte so die heutigen Densenberge. Auffällig ist der gelbe aus Quarzkörnchen bestehende Sand, der hier vorherrscht. Es finden sich darüber hinaus auch Kiesel und weitere Gesteine, die ein Ausmaß bis Kopfgröße erreichen können.

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